Nachhaltige Braugerste für nachhaltiges Bier

01.07.21

Bodengesundheitsprojekt mit EGZ-Bauern trägt erste Früchte: Stiegl-Braugerste wieder ein Stück nachhaltiger

Für Stiegl beginnt Bierbrauen schon im Boden, denn nur in gesunder Erde kann gesunde Braugerste für gutes Bier wachsen. Gerade im Hinblick auf die stete Klimaveränderung braucht es dafür Weitsicht und Expertenwissen, um gemeinsam mit den Gerstenbauern gut und vor allem nachhaltig wirtschaften zu können. 2017 startete Stiegl zusammen mit den Bauern der Erzeugergemeinschaft Zistersdorf (EGZ) dazu ein langfristig angelegtes Bodengesundheitsprojekt. Nach einer ersten wissenschaftlichen Analyse gemäß der SAFA-Leitlinien der Vereinten Nationen kann man jetzt eine erfolgreiche Zwischenbilanz ziehen: Die Stiegl-Braugerste der EGZ-Bauern ist wieder ein Stück nachhaltiger geworden.

Der Leitspruch in Österreichs führender Privatbrauerei lautet seit rund 530 Jahren „Was du tust, das tue ganz“. Unter dieser Maxime widmet man sich auch intensiv und vor allem ganzheitlich dem Thema Nachhaltigkeit. Die Themen „Bodengesundheit“ und „Sicherung nachhaltiger Rohstoffe“ nehmen dabei eine zentrale Rolle ein.  Und so bezieht die Stieglbrauerei mittlerweile mehr als 50 Prozent des gesamten Braumalzes aus nachhaltigem Anbau direkt von rund 300 Gerstenbauern der Erzeugergemeinschaft Zistersdorf (EGZ) aus dem niederösterreichischen Weinviertel. Mit den EGZ-Bauern arbeitet man in der Salzburger Brauerei schon seit 2008 intensiv zusammen und hat dafür langfristige Verträge abgeschlossen. „Wenn wir unsere Verantwortung im Hinblick auf eine enkeltaugliche Zukunft ernst nehmen, dann bedeutet das auch, dass wir uns um den Fortbestand bzw. den künftigen Anbau heimischer Rohstoffe kümmern müssen. Der Boden spielt dabei eine wesentliche Rolle“, erklärt dazu Stiegl-Chefbraumeister Christian Pöpperl, der auch Leiter des Ressourcen-Effizienzteams der Brauerei ist.

Das Bodengesundheitsprojekt
Gemeinsam mit 71 EGZ-Bauern startete man 2017 ein zukunftsweisendes Bodengesundheits-projekt. Für die Ist-Stand-Erhebung bei Projektbeginn wurden auf 1.068 Hektar Ackerfläche genaue, georeferenzierte Bodenzonen herangezogen, analysiert und dokumentiert. Dabei wurden verschiedene Bodenparameter, wie beispielsweise der Humusgehalt, bestimmt. Ziel des langfristig angelegten Projekts ist es, die Gesundheit und Fruchtbarkeit des Bodens sowie das Leben im Boden zu verbessern, die Artenvielfalt innerhalb und oberhalb des Bodens zu erhöhen und wenn möglich, das für das Klima so schädliche CO₂ langfristig im Boden zu binden. Die Bauern treffen dabei eigenständig und individuell die Auswahl der regional passenden Maßnahmen für ihre jeweiligen Feldstücke. „Durch ausgewogene Fruchtfolgen, Begrünung nach der Ernte, minimale und schonende Bodenbearbeitung, Förderung des Wasserhaushalts und des Bodenlebens, stickstoffeffiziente Düngung, freiwillige strenge Selbstbeschränkung beim Pflanzenschutz, Förderung von Nützlingen und optimale Lagerhaltung mit kurzen Wegen unterstützen wir Gerstenbauern die Bodengesundheit“, erklärt dazu EGZ-Geschäftsführer Franz Bauer.

Auch DI Dr. Franz Sinabell vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) weist auf die Bedeutung des Projekts hin: „Die Transformation des Wirtschaftssystems in Richtung mehr Nachhaltigkeit erfordert viele Schritte. Dazu zählen die Verkürzung der Lieferketten, die Beachtung der Ansprüche der belebten Natur im Zuge von Produktionsprozessen und die Stärkung der lokalen Wertschöpfung. Ein gesunder Boden ist die Grundlage eines resilienten und krisenfesten Wirtschaftssystems, das darauf baut, elementare Bedürfnisse aus eigener Kraft zu befriedigen.“

Bodenprojekt – ganzheitlich nachhaltig
Mittlerweile ist belegt, dass das Bodenprojekt Wirkung im Sinne einer ganzheitlichen Nachhaltigkeit zeigt. Evaluiert und analysiert wurde die „Stiegl-Braugerste“ nach den sogenannten SAFA¹-Leitlinien der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen. Die unabhängige, wissenschaftliche Überprüfung führte die Sustainable Food Systems GmbH (SFS) aus der Schweiz gemeinsam mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (biologischen Landbau (FiBL) anhand der SMART²-Methode durch. Diese ermöglicht einen transparenten und standardisieren Vergleich von landwirtschaftlichen Produktionssystemen und Betrieben. Die Bewertung erfolgte mittels Befragungen und Betriebserhebungen bei den EGZ-Bauern in vier Nachhaltigkeits-Dimensionen (Ökologie, Ökonomie, Mensch, Unternehmensführung), die sich wiederum in insgesamt 58 Subthemen gliedern. „Mit dieser sehr detaillierten Gliederung wird sichergestellt, dass wir alle Aspekte der Nachhaltigkeit abdecken“, erklärt SFS-Senior Consultant Felix Harrer und ergänzt: „Da die Analysen so breit angelegt waren und sämtliche relevanten Themen angeschaut wurden, verfügt Stiegl damit über eine extrem gute wissenschaftliche Grundlage zur stetigen Verbesserung der Nachhaltigkeitsleistungen in der Braugerstenproduktion.“

Zu Projektbeginn wurden insgesamt mehr als 560 Bodenproben mit bis zu 20 Einstichen pro Probe gezogen, um eine repräsentative Beprobung zu gewährleisten. Mittlerweile zeigen sich bereits positive Entwicklungen: „Die relevanten Parameter wie Nährstoffe, pH-Wert und Humusgehalt wurden im akkreditierten Bodenlabor der AGES untersucht. Dabei zeigte sich, dass die Nährstoffgehalte überwiegend in den anzustrebenden Gehaltsbereichen liegen. Die meisten Proben wiesen Werte zwischen 2,5 und 3,0% Humus auf – im Mittel ergab das eine Erhöhung um 0,5% Humus im Vergleich zu der Bodenkartierung vor mehr als 30 Jahren.  Auf Basis dieser Vorgangsweise kann mit der Folgeuntersuchung im kommenden Jahr in nachvollziehbarer, transparenter Weise gezeigt werden, in welchem Ausmaß die verbesserte Bewirtschaftung – vor allem hinsichtlich Begrünungsmanagement – auf den Humus- und die Nährstoffgehalte gewirkt hat“, erklärt Bodengesundheitsexperte Dr. Georg Dersch vom Institut für Nachhaltige Pflanzenproduktion der AGES.

Multiplikatoreffekt durch „Farmer-to-Farmer“-Wirkung
„Unsere nachhaltige Braugerste weist bereits in allen vier Dimensionen messbare Stärken auf. Was uns besonders freut, ist auch die Tatsache, dass die ökologische Dimension – obwohl die EGZ-Bauern konventionelle Landwirtschaft betreiben – sehr gut ausgeprägt ist“, freut sich Christian Pöpperl.  Die Erfahrung zeigt mittlerweile auch, dass die bewussten Maßnahmen der EGZ-Bauern seit Projektbeginn schon zu nennenswerten Verbesserungen geführt haben. „Die am Projekt teilnehmenden Landwirte schneiden bei der differenzierten, statistischen Auswertung der Themen Bodendegradation und Bodenqualität signifikant besser ab und haben einen viel höheren Anteil an Biodiversitätsflächen. Sie werden ihre Erfahrungen an die gesamte EGZ weitergeben. Und natürlich hat das erarbeitete Knowhow, die Sensibilisierung und die gelebte Praxis einen gewissen Multiplikatoreffekt – quasi eine ‚Farmer-to-Farmer‘-Wirkung“, erklärt Biologe Dr. Konrad Steiner, Erdwissenschaftler und wissenschaftlicher Berater von Stiegl. Zudem bringt das Bodengesundheitsprojekt für die EGZ-Landwirte den Vorteil, dass bei einem deutlich geringeren Einsatz von Stickstoffdünger vergleichsweise höhere Kornerträge erzielt werden.

Klimaresilienz – Maßnahmen für die Zukunft
Neben den nachgewiesenen Stärken wurden im Rahmen der Studie auch noch vorhandene Schwächen sowie weitere Optimierungspotenziale aufgezeigt. „Wir werden diese Faktoren in den nächsten Jahren besonders im Fokus haben und anhand der genannten Maßnahmen-vorschläge stetig verbessern“, betont Konrad Steiner. Davon betroffen ist u. a. das Thema Klimaresilienz. Der voranschreitende Klimawandel und die damit verbundene Erwärmung stellt Gerstenbauern und Brauereien vor immer größere Herausforderungen, denn die gängige Sommergerste zeigt sich gegenüber Hitze und Trockenheit anfällig. Neben der Sommergerste spielt für Stiegl und die EGZ-Bauern seit vielen Jahren die Winterbraugerste eine wichtige Rolle. „Die aktuelle Wetterkapriolen verdeutlichen einmal mehr, dass es wichtig und gut war, als erste Brauerei in Österreich bereits vor zehn Jahren gemeinsam mit unseren Landwirten im großen Stil den Anbau der Winterbraugerste zu forcieren“, erklärt der Stiegl-Chefbraumeister. Diese Sorten werden im Herbst angebaut und sind deutlich robuster gegenüber klimatischen Veränderungen. „Allerdings sei es für die Zukunft trotzdem wichtig, sowohl Sommer- als auch Winterbraugerste anzubauen“, betont Franz Bauer und ergänzt: „Dadurch können wir die Fruchtfolge garantieren, die für die Bodengesundheit ebenfalls von besonderer Bedeutung ist.“

Konkrete, verantwortungsvolle Maßnahmen statt Greenwashing
„Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass wir auf einem guten Weg sind, denn sie bestätigen uns, dass die Stiegl-Braugerste im Vergleich zu internationalen Braugersten auch klimaschonender ist. Wir werden uns jedoch darauf nicht ausruhen und auch künftig regelmäßige Audits durchführen lassen, um zielgerichtete Verbesserungen und Maßnahmen treffen zu können. Damit schaffen wir die Basis für nachhaltige Braugerste auch in 100 Jahren noch – ganz ohne Greenwashing, sondern in ehrlichem Ansinnen. Das ist unser Versprechen“, so der Stiegl-Nachhaltigkeitsbeauftragte und Chefbraumeister Pöpperl abschließend. (Die genauen SMART-Ergebnisse sowie eine detaillierte Beschreibung der 58 Nachhaltigkeitskriterien unter: www.stiegl.at/nachhaltigkeit ).

31 Jahre Stiegl-Nachhaltigkeitsbericht – niedriger CO2-Fußabdruck für Stiegl-Halbe
Als Privatunternehmen seit 1492 mit einer jahrhundertelangen Tradition hat Stiegl Nachhaltigkeit in seiner DNA. Als Brauerei ist man unmittelbar auf eine saubere und intakte Umwelt angewiesen, denn alle zum Brauen notwendigen Zutaten kommen aus der Natur und stehen unter starkem Umwelteinfluss. Und so belegt man in der Salzburger Privatbrauerei bereits seit 1990 den Umgang mit den Ressourcen in einem jährlichen Nachhaltigkeitsbericht. 2017 wurde ein eigenes Stiegl-Ressourcen-Effizienz-Team unter der Federführung von Chefbraumeister Christian Pöpperl ins Leben gerufen und auch die dafür nötigen Voraussetzungen bereitgestellt. Zusammen mit den Profis der „denkstatt GmbH“ wird jährlich der Stiegl-CO2-Fußabdruck ermittelt. Mit 107,5g CO2 pro Halbe Stiegl-Bier ist man unter den Besten in der Bierbranche.

Alle Details zum nachhaltigen Wirtschaften von Stiegl sind im neuen, nach GRI-Standards erstellten Nachhaltigkeitsbericht 2020 („Vielfalt – Nachhaltige Braugerste“) nachzulesen: www.stiegl.at/nachhaltigkeit.

Abkürzungsverzeichnis:

¹ SAFA Nachhaltigkeits-Leitlinien: Sustainability Assessment of Food and Agriculture Systems Die FAO definiert mit SAFA umfassend 58 Themenbereiche in den vier Nachhaltigkeitsdimensionen Ökologische Integrität, Ökonomische Resilienz, Soziales Wohlergehen & Gute Unternehmensführung eine weltweit vergleichbare Nachhaltigkeitsbewertung von Agrar- und Lebensmittelsystemen.

² SMART-Farm Tool: Sustainability Monitoring and Assessment RouTine SMART ist ein innovatives Instrument zur ganzheitlichen Nachhaltigkeitsanalyse und Bewertung von landwirtschaftlichen Betrieben und Lebensmittelunternehmen, welches auf den global gültigen SAFA-Leitlinien basiert. Es wurde von Nachhaltigkeitsexperten der FIBL-Forschungsinstitute unter Einbezug von über 60 Landwirtschafts-ExpertInnen anderer Forschungsinstitutionen entwickelt und besteht aus einer hocheffizienten Datenbank sowie einer wissenschaftlich fundierten Bewertungsmethodik inklusive umfangreichem Indikatoren-Pool. Bei der Erstellung wurden weitere Referenzdokumente berücksichtigt, wie z.B. die Richtlinien zur Nachhaltigkeitsberichterstattung der Global Reporting Initiative GRI-G4, der UN Global Compact, der ISO 26000 „Leitfaden zur gesellschaftlichen Verantwortung“, der SA8000 Standard zur sozialen Verantwortung, die ILO Arbeits- und Sozialstandards sowie die Indikatoren-Matrix der Gemeinwohlökonomie.

3) SFS: Sustainable Food Systems GmbH. Unabhängiges Expertenteam für Nachhaltigkeits-bewertungen in der Landwirtschaft.

4) FIBL: Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau ist eine unabhängige Forschungs-einrichtung, die sich mit der Erforschung von Methoden und Anwendungen des biologischen Landbaus beschäftigt. Es ist eines der führenden Forschungs- und Informationszentren für Biolandbau.

Pressebild 1: Stiegl-Chefbraumeister Christian Pöpperl (rechts) und EGZ-Geschäftsführer Franz Bauer konnten eine erfolgreiche Zwischenbilanz zu dem 2017 gestarteten Bodengesundheitsprojekt ziehen.  

Pressebild 2: Beim Feldgespräch im niederösterreichischen Weinviertel rund um das Thema „Bodengesundheit und nachhaltige Braugerste“ (v. l.): Dr. Franz Sinabell (WIFO), Franz Bauer (EGZ), Chefbraumeister Christian Pöpperl (Stiegl) und Dr. Georg Dersch (AGES).

Pressebild 3: Begleiteten das Projekt mit ihrer Expertise (v. l.): Felix Harrer (Sustainable Food Systems Schweiz), Dr. Franz Sinabell (WIFO), Dr. Konrad Steiner (Biologe und Erdwissenschafter, HBLA-Ursprung) und Dr. Georg Dersch (AGES).

Bildnachweis: Neumayr/Leopold, Abdruck honorarfrei!

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